Der Landeschef des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Kai Burmeister, hat die Unternehmen in Baden-Württemberg aufgefordert, ihre Einstellung zur Tariftreue zu überdenken. Er beruft sich dabei auf eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung, die zeigt, dass Beschäftigte in Betrieben mit Tarifvertrag deutlich bessere Arbeitsbedingungen haben als solche ohne Tarifbindung.
Bessere Arbeitsbedingungen durch Tarifvertrag
Laut der Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung verdienen Beschäftigte in Betrieben ohne Tarifbindung in Deutschland im Durchschnitt elf Prozent weniger als ihre Kollegen in vergleichbaren Betrieben mit Tarifvertrag. Dabei arbeiten sie im Schnitt 54 Minuten länger pro Woche. In Baden-Württemberg ist die Differenz bei der Arbeitszeit im Vergleich zu anderen Bundesländern am größten. Vollzeitbeschäftigte in tariflosen Unternehmen arbeiten hier regulär fast anderthalb Stunden (87 Minuten) pro Woche zusätzlich, was über das Jahr gesehen fast zwei Wochen mehr Arbeit bedeutet.
Kritik an OT-Mitgliedschaften
Burmeister kritisiert, dass immer mehr Arbeitgeberverbände Mitgliedschaften ohne Tarifbindung anbieten. Diese sogenannten OT-Mitgliedschaften seien ein Skandal, da sich die Arbeitgeberverbände damit ihrer Verantwortung entziehen würden. Burmeister prognostiziert, dass Unternehmen ohne Tarifbindung bei der Suche nach Fachkräften zu den Verlierern gehören werden.
Forderung nach Tariftreuegesetz
Burmeister fordert von der Landesregierung ein umfassendes Tariftreuegesetz, das bei öffentlichen Vergaben an Unternehmen ohne Tarifverträge einen Mindestlohn von 13,50 Euro festlegt. Auch Förderprogramme sollten an die Tariftreue gekoppelt werden. Mit einem Bonus-Malus-System sollten nur tarifgebundene Antragsteller Fördermittel in voller Höhe erhalten.
Laut der Studie fielen 2021 in Baden-Württemberg 51 Prozent der Beschäftigten unter die Tarifbindung, während es in Deutschland insgesamt 52 Prozent waren.