Die Dunkelziffer bei der Benachteiligung von Menschen ist nach Ansicht von Experten hoch. Doch immer mehr Bürger im Südwesten trauen sich, professionelle Unterstützung anzunehmen, wenn sie sich diskriminiert fühlen. Bei den Antidiskriminierungsstellen in Baden-Württemberg hat die Zahl der Beschwerden in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Das berichtet Nina Guérin, die die Antidiskriminierungsstelle des Landes leitet.
Zahl der Anfragen steigt
Die Antidiskriminierungsstelle des Landes zählte 2019 noch 75 Anfragen und im vergangenen Jahr schon 301. Und in einer Studie der Antidiskriminierungsstellen des Bundes von 2017 gab mehr als jeder dritte Befragte an, in den letzten zwei Jahren Diskriminierung erlebt zu haben. „Die am häufigsten genannten Gründe sind hierbei rassistische Diskriminierungen sowie Diskriminierungen aufgrund einer Behinderung oder chronischen Erkrankung“, sagt Nina Guérin.
Beratungsnetz in Baden-Württemberg
Wer sich diskriminiert fühlt, kann sich in Baden-Württemberg in einem dichten Beratungsnetz Hilfe holen. Die Antidiskriminierungsstelle des Landes ist eine von neun lokalen Beratungsstellen unter anderem in Esslingen, Freiburg, Heidelberg und Mannheim. Eine überregionale Beratungsstelle für alle Menschen in Tübingen sowie drei weitere für den ländlichen Raum ergänzen das Angebot, das aus Sicht von Guérin bundesweit seinesgleichen sucht.
Beratung und Unterstützung
Die Berater informieren über mögliche rechtliche Schritte gegen Diskriminierung und helfen bei der Suche nach Anwälten, formulieren Beschwerdebriefe oder begleiten die Hilfesuchenden zu einem Vermittlungsgespräch. Die Zahl der Beschwerden über Diskriminierungen geht nach oben, die Gründe bleiben aber relativ konstant, hat Expertin Guérin beobachtet. So bezogen sich die Anfragen im vergangenen Jahr zu über 30 Prozent auf rassistische Diskriminierungen, weitere 30 Prozent entfielen jeweils auf Diskriminierungen wegen einer Behinderung oder wegen einer chronischen Erkrankung.
Hintergründe
Die aktuell mit Hetze überschüttete Stelle in Heilbronn ist eine von neun lokalen Beratungsstellen. Die Beschwerde der Frau in Heilbronn ist kein Einzelfall. Die meisten Menschen, die von Diskriminierung betroffen sind, melden dies nicht, unter anderem weil vielen Menschen nicht bewusst ist, dass das, was sie vielleicht tagtäglich erleben, diskriminierend ist.