Später Schnee bringt minimalen Lichtblick für Schweizer Gletscher

Neueste Messungen zeigen minimalen Anstieg der Schneemenge

Nach einem verheerenden Jahr für die Alpengletscher gibt es minimalen Grund zur Hoffnung. Die neuesten Messungen zeigen, dass die Schweizer Gletscher dank später Schneefälle in den vergangenen Wochen einen absoluten Minimal-Rekord der Schneemenge in diesem Jahr vermeiden konnten. Allerdings liegt fast überall kaum mehr Schnee als im Extremjahr 2022, wie der Leiter des Gletschermessnetzes Glamos, Matthias Huss, der Deutschen Presse-Agentur sagte. Glamos misst Schneemengen an rund 20 Gletschern und hat die jüngsten Daten gerade ausgewertet.

Winter nur eine Seite der Medaille

Für die Gesamtbilanz der Gletscher ist der Winter nur eine Seite der Medaille, wie Glaziologe Andreas Bauder von der ETH Zürich sagt. Entscheidend ist die Schmelze über den Sommer. 2022 war der Winter früh zu Ende, gefolgt von einer rasant einsetzenden Sommerschmelze. „Wir hatten bei allen Gletschern Rekordverluste“, sagte er. Um dies wettzumachen, wären nach Angaben der Experten mehrere schneereiche und sehr kühle Jahre nötig.

Alarmglocken klingen schon lange

Vor 2022 war der schneeärmste Winter der Zehn-Jahres-Periode 2013 bis 2022 der Winter 2016/2017. Für den Klimawandel sorgen menschengemachte Treibhausgase, mit Auswirkungen in aller Welt: Folgen sind unter anderem schwere Überschwemmungen, Dürren, heftige Unwetter und der Meeresspiegelanstieg. 2016 fiel zusammen mit dem Wetterphänomen El Nino. Es sorgt alle paar Jahre im südlichen Pazifik für einen Anstieg der Temperatur an der Wasseroberfläche und trägt zusätzlich zur Erwärmung bei. Experten sehen Anzeichen, dass sich 2023 wieder ein El Nino entwickelt. „Die Alarmglocken klingen schon lange und laut“, sagt Bauder über die Entwicklung.

Sorge um Schutz vor Sonne im Sommer

Seine Sorge ist, dass die vorhandene Schneemenge, die im Sommer Schutz vor der Sonne bietet, nicht ausreicht. Weißer Schnee reflektiere die Sonnenstrahlen gut. Wenn er weg sei und das dunkle Eis zum Vorschein komme, verstärke sich die Schmelze, selbst in Sommern, die nicht besonders heiß oder strahlungsintensiv sind.

Fazit

Auf den meisten Schweizer Gletschern liegt zur Zeit im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2013 bis 2022 eine stark unterdurchschnittliche Schneemenge. Ob der Schnee als Schutz vor allzu großer Sommerschmelze reicht, ist fraglich. Der schneearme Anfang des Winters verhieß nichts Gutes, aber durch den Schneefall seit Ostern wurden die großen Schneedefizite etwas reduziert. Zudem endet der Winter in hohen Lagen über 3000 Metern erst im Mai, deshalb sind weitere Schneefälle möglich. Glamos zählt in der Schweiz 1400 Gletscher. Der mit Abstand größte ist der gut 20 Kilometer lange Aletschgletscher im Kanton Wallis.

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