Die Alternative für Deutschland (AfD) hat in einer aktuellen Umfrage mit der SPD gleichgezogen und könnte bei einer Bundestagswahl mit 18 Prozent der Stimmen rechnen. Vor einem Jahr lag die AfD noch bei 10 Prozent. Diese Entwicklung hat in Berlin eine Diskussion über die Ursachen ausgelöst.
Erklärungsversuch 1: Unzufriedenheit
Experten und Vertreter der Union machen unter anderem die Migrations- und Energiepolitik der Koalition für den Höhenflug der AfD verantwortlich. Viele AfD-Anhänger würden die Partei wegen der Migrationspolitik wählen wollen, knapp die Hälfte nannte die Energiepolitik. Themen wie Inflation oder Soziales landeten weit dahinter. Die Sorge über das Ausmaß und die Folgen der Migration sowie die Angst über die Kosten der Energie- und Klimapolitik der Regierung seien bei vielen Bürgern groß, wobei viele AfD-Anhänger kein Verständnis für die Notwendigkeit der von der Koalition vorgeschlagenen Maßnahmen aufbringen, so der Mainzer Politikwissenschaftler Jürgen Falter.
Erklärungsversuch 2: Ampel-Dauerstreit
Die Zustimmung für die Ampel-Koalition sei aufgrund von deren führungsloser Chaos-Politik und Brechstangen-Politik in vielen Bereichen gesunken, so CDU-Generalsekretär Mario Czaja und CSU-Kollege Martin Huber. Die Bevölkerung fühle sich verunsichert und viele verlören zunehmend das Vertrauen in die Demokratie und ihre Institutionen.
FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai rief zur Selbstkritik auf und betonte, dass die Werte der AfD „allen demokratischen Parteien Anlass zur Selbstkritik sein“ sollten. Er sieht in der Zustimmung für die AfD jedoch kein Zeichen für einen gesellschaftlichen Rechtsruck.
Der „Deutschlandtrend“ ergab auch, dass aktuell nur noch jeder Fünfte mit der Arbeit der Ampel-Koalition zufrieden ist, was der schwächste Wert seit Koalitionsbeginn ist.
Wenn Politiker und Parteien sich streiten, kommt das bei Wählern nicht gut an.