Berliner Morgenpost: Putins Albtraum – Leitartikel von Jörg Quoos

Der Aufstand des Wagner-Chefs zeigt die Schwäche des russischen Präsidenten Wladimir Putin im Hinblick auf die schnelle „Spezialoperation“, mit der Russland den ukrainischen Nachbarn überfallen wollte. Nach 16 Monaten wird dies für Putin endgültig zum Albtraum. Der Kampf mit den eigenen Söldnern der russischen Wagner-Gruppe zeigt, dass Moskau nichts in diesem Krieg im Griff hat.

Der autokratische Führungsstil von Jewgeni Wiktorowitsch Prigoschin

Der ehemalige Lieblingsgastronom Putins, Jewgeni Wiktorowitsch Prigoschin, führte viel zu lange ein Eigenleben im Krieg. Er rekrutierte Schwerverbrecher, die er als Kanonenfutter in die ukrainischen Linien trieb. Zuletzt kritisierte er sogar die reguläre russische Armee. Prigoschin inszenierte sich in seinen Videos wie ein Troll aus der eigenen Bot-Fabrik, sogar neben einem Stapel blutiger Leichen russischer Soldaten, und bedrohte Putins handverlesene Militärführer.

Die Schwäche des Präsidenten

Es ist ein Rätsel, warum Putin Prigoschin so lange gewähren ließ. Andere Verräter waren schon längst geflohen oder aus dem Fenster „gestürzt“. Kritik an der Militärführung, an der Taktik, an Verteidigungsminister Schoigu trifft immer den Präsidenten selbst, und Prigoschins Ausfälle lassen nur einen Schluss zu: Der Präsident ist zu schwach, um Ordnung in den eigenen Reihen zu schaffen.

Die Auswirkungen auf Putin

Selbst wenn Prigoschin seine Lage erkannt hat und einlenkt, ist der Präsident schwer beschädigt. Vor aller Welt ist demonstriert: Nicht einmal die eigenen Leute hat Putin im Griff. Gepanzerte Fahrzeuge in Moskau, die die Hauptstadt gegen einen Putschversuch sichern müssen, sind Putins Offenbarungseid. Der Aufstand setzt eine beispiellose Reihe von politischen und militärischen Fehlleistungen fort.

Die fehlende Strategie und unzureichende militärische Mittel

Die angebliche Übermacht Russlands, dokumentiert mit Hightech-Waffen bei den Maifeiern auf dem Roten Platz, erinnert aktuell immer mehr an die bunten Pappdörfer von Fürst Potemkin. Die fehlende Strategie und unzureichende militärische Mittel waren leider kein großer Vorteil für die überfallenen Ukrainer. Russland versucht seine Defizite mit Brutalität und Hemmungslosigkeit wettzumachen.

Die Konsequenzen für die Bevölkerung

Mit einer marodierenden Soldateska, die auch Zivilisten erschießt, und Zielen, die man besonders leicht trifft: Wohnblöcke der Ukrainer und große Einrichtungen. Die Konsequenzen für die Bevölkerung sind verheerend.

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